Das geschenkte Wartezimmer
Jeder Ort kann ein Ort der Stille sein. Warten nervt – oder ist es Zeit, die dir geschenkt wird? Niemand erwartet etwas von dir. Du darfst einfach sein.
Mach es dir bequem.
Lass deinen Körper ankommen, wo auch immer du gerade bist.
Atme einmal tief ein.
Und wieder aus.
Noch einmal.
Und aus.
Heute nehme ich dich mit an einen Ort, den wir alle kennen.
Einen Ort, vor dem wir uns meist fürchten.
Das Wartezimmer.
Es ist Dienstag, kurz vor neun.
Lisa sitzt im Wartezimmer ihres Hausarztes.
Die vertrauten Geräusche: das Ticken der Wanduhr, das Rascheln von Zeitschriften, gedämpfte Stimmen hinter der Empfangstür.
Lisa schaut auf ihr Handy.
Termin war um acht Uhr fünfundvierzig.
Es ist jetzt neun Uhr zwölf.
Siebenundzwanzig Minuten Verspätung.
Ihr Puls beschleunigt sich.
Der wichtige Anruf um zehn.
Das Meeting um elf.
Die Präsentation, die noch nicht fertig ist.
Sie tippt eine Nachricht: "Bin zu spät, Arzttermin zieht sich."
Dann hält sie inne.
Was, wenn sie das Handy einfach mal weglegt?
Sie schaut sich um.
Neben ihr sitzt eine ältere Frau mit geschlossenen Augen.
Ihr Gesicht ist entspannt, fast friedlich.
Gegenüber ein Mann, der aus dem Fenster schaut und dabei leise lächelt.
Lisa fragt sich: Was sehen diese Menschen, was ich nicht sehe?
Sie lehnt sich zurück und schließt ebenfalls die Augen.
Zum ersten Mal seit Wochen spürt sie ihren Atem.
Ein, aus.
Ein, aus.
Das Ticken der Uhr wird zu einem Rhythmus.
Die gedämpften Stimmen zu einer sanften Melodie.
Plötzlich realisiert sie: Niemand erwartet gerade etwas von ihr.
Keine E-Mail muss beantwortet werden.
Kein Anruf entgegengenommen.
Keine Entscheidung getroffen.
Sie darf einfach nur hier sein.
Als die Sprechstundenhilfe nach vierzig Minuten ihren Namen ruft, öffnet Lisa die Augen.
Sie fühlt sich seltsam erfrischt.
"Entschuldigen Sie die Wartezeit", sagt die Helferin.
Lisa lächelt: "Kein Problem. Es war schön."
Lass uns gemeinsam erkunden, wie sich Warten anfühlen kann.
Atme einmal bewusst ein.
Und aus.
Wann wartest du das nächste Mal?
Im Stau, an der Kasse, auf den Bus?
Was, wenn diese Momente nicht gestohlene Zeit sind, sondern geschenkte?
Zeit, in der du niemandem gehörst außer dir selbst.
Atme wieder ein.
Spüre, wie dein Körper sich entspannt.
Atme aus.
Das nächste Mal, wenn du wartest, erinnere dich an Lisa.
Leg das Handy zur Seite.
Schließe die Augen.
Und entdecke den Meditationsraum, der schon immer da war.
Jeder Ort kann ein Ort der Stille sein.
Sogar das Wartezimmer.
Jeder Ort kann ein Ort der Stille sein.
Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag.
Beim nächsten Warten wirst du dich daran erinnern.
Dass Zeit, die dir geschenkt wird, ein Geschenk ist.
Atme noch einmal tief durch.
Spüre deine Füße auf dem Boden.
Öffne sanft die Augen.
Danke für diese gemeinsamen Minuten.
Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.