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Tiefgang

Der Bogenschütze

Loslassen bringt das Ziel näher. Ein Meisterschütze trifft immer – bis ein Preis ausgesetzt wird. Die Anhaftung ans Ergebnis zerstört die Leichtigkeit.

Der Bogenschütze
Lass dich bequem nieder. Atme einmal tief ein und lass den Atem ganz von selbst wieder fließen. Noch einmal: ein bewusster Atemzug, der dich hier ankommen lässt. Heute erzähle ich dir von einem Bogenschützen, der eine erstaunliche Lektion lernte. Eine Geschichte über das Paradox des Loslassens. In einem fernen Land lebte ein Bogenschütze, dessen Treffsicherheit in der ganzen Provinz berühmt war. Jeden Morgen übte er am Waldrand, wo zwischen zwei alten Eichen eine Zielscheibe hing. Seine Pfeile trafen stets ins Schwarze – mit einer Leichtigkeit, als wäre der Bogen Teil seines Arms. Die Dorfbewohner kamen oft vorbei, um ihm zuzusehen. Sie staunten über seine ruhige Haltung, seine gleichmäßigen Bewegungen. Der Bogenschütze lächelte freundlich, aber seine Aufmerksamkeit gehörte ganz dem Moment des Schusses. Eines Tages kam ein reicher Händler ins Dorf. Er hatte von dem berühmten Schützen gehört und machte ihm ein Angebot. Hundert Goldstücke für jeden Treffer ins Schwarze. Ein kleiner Wettkampf vor versammelter Menge. Der Bogenschütze nickte. Warum nicht? Er traf doch immer. Am nächsten Tag versammelten sich die Menschen auf dem Dorfplatz. Die Zielscheibe wurde aufgestellt, der Händler zählte demonstrativ die Goldstücke. Der Bogenschütze nahm seinen vertrauten Platz ein. Doch etwas war anders. Seine Hand, die den Pfeil hielt, zitterte unmerklich. Sein Atem ging nicht mehr so gleichmäßig. Hundert Goldstücke. Das war mehr, als er in einem ganzen Jahr verdiente. Er spannte den Bogen. Die Menge hielt den Atem an. Der Pfeil flog – und verfehlte das Schwarze um Haaresbreite. Ein Raunen ging durch die Menge. Der Bogenschütze starrte ungläubig auf sein Ziel. Noch einmal. Wieder daneben. Und noch einmal. Drei Pfeile, drei Fehlschüsse. Der Händler packte schmunzelnd seine Goldstücke ein und zog weiter. Die Menge zerstreute sich kopfschüttelnd. Der Bogenschütze blieb allein zurück. Atme mit mir. Ein Atemzug, der alles loslässt, was du festhältst. Spüre, wie sich deine Hände öffnen. Was geschieht, wenn wir zu sehr am Ergebnis hängen? Der Bogenschütze kehrte zurück zu seinem stillen Platz im Wald. Dort, wo keine Goldstücke warteten. Wo niemand zuschaute. Wo nur er und das Ziel waren. Seine ersten Pfeile trafen wieder ins Schwarze. Natürlich, mühelos. Atme ein und lass los. Was in deinem Leben hältst du zu fest? Der Pfeil trifft am besten, wenn der Schütze das Treffen vergisst. Der Pfeil trifft am besten, wenn der Schütze das Treffen vergisst. Nicht die Anstrengung bringt uns ans Ziel, sondern das Loslassen der Anstrengung. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag. Kehre sanft zurück in diesen Moment. Atme tief ein und öffne deine Augen. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.