Der Esel im Brunnen
Was dich begraben soll, kann dich erheben. Ein Esel fällt in einen Brunnen. Der Bauer schüttet Erde hinein, um ihn zu begraben. Aber der Esel schüttelt jede Schaufel ab und steigt höher.
Mach es dir bequem und lass deine Schultern fallen. Schließe die Augen oder senke den Blick. Atme einmal tief ein und lass die Luft langsam wieder ausströmen. Noch einmal – ein tiefer Atemzug, der bis in den Bauch fließt. Heute erzähle ich dir eine Geschichte von einem Esel, der etwas Erstaunliches entdeckte. Eine Geschichte darüber, wie das, was uns zu Boden drücken soll, manchmal genau das ist, was uns nach oben trägt.
Es war ein heißer Sommertag, als der alte Esel des Bauern seinen gewohnten Weg zum Wassertrog nahm. Er war müde von der Arbeit und achtete nicht auf seine Schritte. Plötzlich brach der Boden unter ihm weg. Mit einem dumpfen Aufprall landete er am Grund eines alten, ausgetrockneten Brunnens. Zehn Meter tief, die Wände zu steil zum Klettern. Der Esel schaute nach oben und sah nur einen kleinen Kreis Himmel. Er schrie um Hilfe, aber seine Stimme hallte nur in der Tiefe wider. Der Bauer hörte das Geschrei und kam gelaufen. Er blickte in den Brunnen hinab und schüttelte den Kopf. Der Esel war alt, der Brunnen zu tief. Es würde Tage dauern und ein Vermögen kosten, ihn zu retten. Also fasste der Bauer einen schweren Entschluss. Er würde den Brunnen zuschütten und dem Esel ein schnelles Ende bereiten. Er rief seine Nachbarn zusammen. Sie kamen mit Schaufeln und begannen, Erde in den Brunnen zu werfen. Die erste Schaufel traf den Rücken des Esels. Er schrie auf – nicht vor Schmerz, sondern vor Empörung. Die zweite Schaufel folgte, dann die dritte. Atme hier einmal mit mir. Aber dann geschah etwas Unerwartetes. Statt sich zu ergeben, schüttelte der Esel die Erde von seinem Rücken ab und trat sie fest unter seine Hufe. Schaufel um Schaufel fiel herab, und jedes Mal machte der Esel dasselbe. Abschütteln, festtreten, einen Schritt nach oben. Die Männer merkten nichts davon. Sie warfen weiter Erde hinein, Stunde um Stunde. Aber mit jeder Schaufel stieg der Esel höher. Was ihn begraben sollte, wurde zu seinem Fundament. Als die Sonne unterging, schaute einer der Nachbarn in den Brunnen. Er traute seinen Augen nicht. Da stand der Esel, nur noch zwei Meter unter dem Rand. Seine Augen funkelten vor Leben und Entschlossenheit. Mit einem letzten Sprung kletterte er aus dem Brunnen heraus. Er schüttelte sich einmal kräftig, schaute die verdutzten Männer an und trottete gemächlich zu seinem Stall.
Lass uns einen Moment bei diesem Bild verweilen. Atme tief ein und spüre, wie sich dein Brustkorb weitet. Beim Ausatmen lass alle Anspannung los. Denk an die Zeiten in deinem Leben, als du dich wie in einem Brunnen gefühlt hast. Als Probleme auf dich herabfielen wie Schaufeln voller Erde. Vielleicht warst du versucht, dich von ihnen begraben zu lassen. Aber was, wenn diese Schwierigkeiten in Wahrheit Material für dein Fundament sind? Atme einmal bewusst in diese Frage hinein. Jede Herausforderung, die du abschüttelst und unter deine Füße trittst, macht dich stärker. Jede überwundene Schwierigkeit trägt dich ein Stück höher. Was heute schwer auf dir lastet, könnte morgen der Grund sein, warum du über dich hinausgewachsen bist. Atme diese Möglichkeit ein.
Was dich begraben soll, kann dich erheben. Was dich begraben soll, kann dich erheben. Dieser eine Gedanke reicht für heute. Du musst nicht jede Schaufel Erde sofort abschütteln können. Manchmal reicht es zu wissen, dass du die Kraft dazu hast. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag und schau, wo du vielleicht schon dabei bist, höher zu steigen.
Atme noch einmal tief ein und öffne sanft die Augen. Du trägst die Kraft des Esels in dir. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.