Der geschlossene Kreis
Die Zigarette gibt dir nichts – sie nimmt nur das Entzugsgefühl, das sie selbst erzeugt hat. Die Erleichterung nach einer Zigarette ist keine echte Entspannung. Es ist nur das Ende des Entzugs, den die letzte Zigarette ausgelöst hat. Nichtraucher haben diesen Kreislauf nicht.
Nimm eine bequeme Position ein und lass dich für einen Moment ganz ankommen. Spüre, wie dein Atem ganz natürlich fließt. Einatmen. Ausatmen. Du musst nichts dafür tun – er ist einfach da. Heute möchte ich dir eine Geschichte erzählen über einen Mann, der einen geschlossenen Kreis entdeckte.
Es war ein verregneter Dienstagnachmittag, als Heinrich zum ersten Mal das Schild an der Tür des kleinen Cafés bemerkte. „Geschlossen wegen Renovierung", stand dort in verschnörkelter Handschrift. Er stellte sich unter das Vordach und kramte eine Zigarette hervor. Das kannte er – diese Unruhe, wenn Pläne durcheinander gerieten. Der erste Zug brachte sofortige Erleichterung. Seine Schultern entspannten sich, der Stress wich. Wie immer. Doch während er dort stand und den Rauch betrachtete, der sich im Nieselregen auflöste, fiel ihm etwas auf. Eine Frau ging vorbei – entspannt, gelassen, ohne die geringste Spur von Unruhe. Sie hatte kein Café gefunden, genau wie er. Ihre Pläne waren genauso durcheinander geraten. Aber sie kramte nicht nervös in ihrer Tasche. Sie zuckte nicht unruhig mit den Schultern. Heinrich beobachtete sie, wie sie einfach weiterging – ruhig, in sich ruhend. „Merkwürdig", dachte er und zog erneut an seiner Zigarette. Die Entspannung stellte sich wieder ein. Später, zu Hause, griff Heinrich nach seinem alten Physikbuch. Irgendetwas beschäftigte ihn. Er blätterte zu einem Kapitel über geschlossene Systeme. „Ein geschlossenes System", las er, „erzeugt seine eigenen Probleme und löst sie dann scheinbar selbst." Heinrich legte das Buch weg und starrte an die Decke. Die Unruhe kam zurück – pünktlich, wie immer nach einer halben Stunde. Er griff zur nächsten Zigarette. Wieder die Erleichterung. Aber diesmal dachte er an die Frau im Regen. An ihr ruhiges Gesicht. An das Physikbuch. „Was wäre", flüsterte er sich selbst zu, „wenn die Erleichterung gar keine echte Entspannung ist?" „Was wäre, wenn sie nur das Ende von etwas ist, das ich mir selbst antue?" Heinrich stand auf und ging zum Fenster. Draußen lief dieselbe Frau vorbei – immer noch gelassen, immer noch in sich ruhend. Sie hatte keinen geschlossenen Kreis. Sie kannte diese Art der Unruhe gar nicht.
Atme einmal tief ein. Und langsam wieder aus. Spüre, wie natürlich dieser Frieden ist – ohne dass du etwas dafür tun musst. Manchmal verwechseln wir das Ende eines Problems mit einer Lösung. Aber was wäre, wenn das Problem nur existiert, weil wir die vermeintliche Lösung wiederholen? Lass diese Frage einen Moment in dir nachklingen. Atme wieder ein – in diesen natürlichen Frieden hinein. Und aus. Welche geschlossenen Kreise kennst du in deinem Leben? Welche Erleichterung ist vielleicht nur das Ende eines selbst erzeugten Problems?
Du tauschst nicht Vergnügen gegen Leere. Du tauschst Gift gegen Leben. Du tauschst Gift gegen Leben. Das ist der eine Satz, den Heinrich an jenem Dienstag verstanden hat. Nimm diese Klarheit mit in deinen Tag. Sie gehört dir.
Kehre langsam zurück in diesen Moment. Atme einmal tief ein und öffne deine Augen. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.