Der Nichtraucher neben dir
Du bist jetzt einer von ihnen – auch wenn es sich noch fremd anfühlt. Du sitzt im Café, Menschen um dich herum rauchen nicht. Früher warst du der, der rausgehen musste. Jetzt bist du einer von ihnen. Es fühlt sich vielleicht noch nicht so an – aber du bist es bereits.
Finde eine bequeme Position und lass dich für einen Moment ankommen. Atme einmal tief ein und langsam wieder aus. Und noch einmal – ein tiefer Atemzug, der dich hier ankommmen lässt. Heute möchte ich dir eine kleine Geschichte erzählen über einen Moment der Erkenntnis. Über das, was wir sind, und das, was wir glauben zu sein.
Maria sitzt in ihrem Lieblingscafé an der Ecke. Es ist ein warmer Donnerstagnachmittag, die Sonne scheint durch die großen Fenster. Sie bestellt einen Cappuccino und schlägt ihr Buch auf. Um sie herum das vertraute Summen von Gesprächen, das Klirren der Tassen, das Zischen der Kaffeemaschine. Vor drei Monaten war alles anders. Damals hätte sie hier nicht lange gesessen. Nach zehn Minuten wäre die Unruhe gekommen. Das Kribbeln in den Fingern. Der Gedanke: Ich muss raus. Eine rauchen. Dann wäre sie aufgestanden, hätte sich entschuldigt bei ihrer Begleitung – falls sie eine hatte – und wäre vor die Tür getreten. Zu den anderen. Den Rauchern. Die kleine Gemeinschaft vor der Tür, vereint in ihrer Gewohnheit. Heute ist es anders. Maria sitzt da und merkt plötzlich: Sie ist eine von denen geworden, die drinnenbleiben. Eine Nichtraucherin. Das Wort fühlt sich noch fremd an in ihrem Kopf. Nichtraucherin. Als wäre es ein Kostüm, das sie trägt, aber noch nicht ganz ausfüllt. Sie beobachtet den Mann am Nebentisch. Er trinkt entspannt seinen Kaffee, liest Zeitung. Macht keine Anstalten aufzustehen. Früher hätte sie ihn beneidet. Diese Selbstverständlichkeit. Diese Ruhe. Jetzt sitzt sie genauso da wie er. Macht das Gleiche. Ist das Gleiche. Aber in ihrem Kopf ist da noch diese Stimme: Das bin doch nicht ich. Ich bin doch die, die raucht. Die, die rausgeht. Die, die sich schlecht fühlt, wenn sie zu lange drinnen sitzt. Maria nimmt einen Schluck Kaffee und atmet bewusst ein. Und plötzlich versteht sie etwas. Der Mann am Nebentisch denkt nicht: Ich bin ein Nichtraucher. Er denkt wahrscheinlich: Schöner Kaffee heute. Oder: Interessanter Artikel. Er definiert sich nicht über das, was er nicht tut. Er ist einfach er selbst. Und das ist sie auch schon. Längst.
Atme einmal tief mit mir ein und spüre, wo du gerade sitzt. Manchmal hinkt unser Selbstbild der Realität hinterher. Wir sind bereits jemand geworden, aber unser innerer Kommentator hat es noch nicht bemerkt. Lass uns das einen Moment betrachten. Wo in deinem Leben bist du bereits jemand, der du zu sein glaubst, du wärst es noch nicht? Vielleicht bist du längst jemand, der regelmäßig Sport macht – auch wenn du dich noch nicht als Sportler siehst. Vielleicht bist du längst jemand, der anderen hilft – auch wenn du dich noch nicht als hilfsbereiten Menschen bezeichnen würdest. Atme einmal tief ein und lass diese Frage in dir nachwirken. Was wäre, wenn du bereits bist, wer du werden möchtest?
Du bist bereits, wer du sein möchtest – auch wenn es sich noch nicht so anfühlt. Du bist bereits, wer du sein möchtest – auch wenn es sich noch nicht so anfühlt. Das Gefühl folgt der Handlung, nicht umgekehrt. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag. Schaue heute einmal bewusst hin: Wo bist du bereits angekommen, ohne es zu bemerken?
Komm langsam zurück zu dir. Atme einmal tief ein und öffne sanft die Augen. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.