Der unsichtbare Mond
Alles hat seine Phase – auch Dunkelheit gehört dazu. Der Mond verschwindet nicht bei Neumond. Er ist nur nicht sichtbar. Deine Dunkelheit ist auch nur eine Phase.
Mach es dir bequem und lass deine Augen einen Moment lang geschlossen bleiben. Atme einmal tief ein. Und wieder aus. Spürst du, wie sich dein Körper entspannt? Heute möchte ich dir eine Geschichte über den Mond erzählen. Eine Geschichte, die ich letzte Woche entdeckt habe, als ich nachts nicht schlafen konnte.
Es war drei Uhr morgens, und ich stand am Küchenfenster mit einer Tasse Tee in der Hand. Der Himmel war sternenklar, aber der Mond war nirgendwo zu sehen. Neumond. Ich dachte an meine Nachbarin Maria, die mir erst am Vortag erzählt hatte, dass sie sich wie verschwunden fühlte. "Ich bin einfach nicht mehr da", hatte sie gesagt. "Als würde mich niemand sehen." Während ich in die mondlose Nacht blickte, fiel mir etwas ein, was mein Großvater mir als Kind erklärt hatte. "Der Mond ist immer da", hatte er gesagt. "Auch wenn du ihn nicht siehst." Ich nahm einen Schluck Tee und dachte daran, wie oft ich das vergessen hatte. Bei Neumond sehen wir nur die Rückseite des Mondes. Die Seite, die nicht von der Sonne beleuchtet wird. Aber der Mond ist vollständig da. Jeder Krater, jeder Berg, jede Ebene. Er kreist weiter um uns, zieht die Gezeiten, bewegt die Ozeane. Seine Anwesenheit ist ungebrochen. Ich stellte mir vor, wie sich der Mond fühlen würde, wenn er Gefühle hätte. "Warum schaut mich niemand an?", könnte er denken. "Bin ich etwa verschwunden?" Aber nein. Er würde wissen: Das ist nur meine dunkle Phase. In ein paar Tagen wird wieder ein silberner Streifen sichtbar sein. Dann die Sichel, dann der halbe Mond. Und schließlich wird er wieder voll leuchten, strahlend und unübersehbar. Am nächsten Tag klingelte ich bei Maria. Wir setzten uns in ihren Garten, und ich erzählte ihr von meiner nächtlichen Erkenntnis. "Du bist wie der Mond bei Neumond", sagte ich. "Vollständig da, auch wenn es sich nicht so anfühlt." Sie lächelte zum ersten Mal seit Wochen. "Und meine helle Phase kommt wieder?" "Ganz bestimmt", antwortete ich. Wir schauten gemeinsam in den Himmel. Auch am Tag war der unsichtbare Mond da oben.
Lass uns einen Moment bei diesem Gedanken verweilen. Atme einmal bewusst ein und stell dir vor, du atmest das Licht des unsichtbaren Mondes ein. Und aus. Vielleicht befindest du dich gerade in einer dunklen Phase. Vielleicht fühlst du dich unsichtbar, übersehen oder vergessen. Aber genau wie der Mond bist du vollständig da. Deine Substanz, deine Tiefe, deine Kraft – nichts davon ist verschwunden. Es ist nur gerade nicht beleuchtet. Denk einen Moment daran: Welche Phase durchlebst du gerade? Atme noch einmal tief ein. Und erlaube dir zu spüren, dass auch deine helle Phase kommen wird. So sicher wie der Mond wieder zunimmt.
Der Mond verschwindet nicht bei Neumond. Er ist nur nicht sichtbar. Deine Dunkelheit ist auch nur eine Phase. Deine Dunkelheit ist auch nur eine Phase. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag und erinnere dich daran, wenn du dich unsichtbar fühlst. Du bist da, vollständig und wichtig, auch in deiner dunklen Zeit.
Atme noch einmal tief ein und kehre langsam zurück. Öffne deine Augen, wenn du bereit bist. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.