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Tiefgang

Der unsichtbare Mond

Alles hat seine Phase – auch Dunkelheit gehört dazu. Der Mond verschwindet nicht bei Neumond. Er ist nur nicht sichtbar. Deine Dunkelheit ist auch nur eine Phase.

Der unsichtbare Mond
Mach es dir bequem und lass deine Schultern sinken. Atme einmal tief ein und mit einem Seufzer wieder aus. Noch einmal, ganz bewusst. Heute schauen wir zum Mond. Nicht zu dem, der am Himmel steht, sondern zu dem, der in uns wirkt. Die Geschichte von Phasen, die kommen und gehen. Maria sitzt auf ihrer Terrasse und starrt in den schwarzen Himmel. Neumond. Nichts zu sehen. "Wo ist er denn?", fragt ihre fünfjährige Nichte Lisa, die zu Besuch ist. "Der Mond ist weg." Maria lächelt. "Nein, er ist nicht weg. Er ist nur unsichtbar." Lisa runzelt die Stirn. "Wie kann etwas da sein und trotzdem unsichtbar?" Eine gute Frage. Maria denkt an ihren letzten Monat. Die Zeit nach der Trennung, als sie sich gefühlt hat wie verschwunden. Wie nicht mehr da. "Weißt du", sagt sie zu Lisa, "der Mond macht das jeden Monat. Er wird immer dünner, bis wir ihn nicht mehr sehen können. Aber er ist trotzdem da. Der Mond sammelt seine Kraft." Lisa nickt ernst. "Wie eine Batterie, die sich auflädt?" "Genau wie eine Batterie." Drei Tage später ruft Lisa aufgeregt an. "Tante Maria! Der Mond ist wieder da! Ganz dünn, aber er ist da!" Maria tritt vor die Tür und sieht die schmale Sichel am Himmel. Sie denkt daran, wie sie gestern zum ersten Mal seit Wochen gelacht hat. Richtig gelacht. Über einen dummen Witz im Radio. Vielleicht war sie nie wirklich weg. Vielleicht hat sie nur gesammelt. Kraft, Klarheit, eine neue Art zu sehen. Zwei Wochen später ist Vollmond. Lisa steht wieder auf der Terrasse und staunt. "Er ist ja riesig geworden!" Maria nickt. "Aber weißt du was? In zwei Wochen wird er wieder verschwinden. Und das ist völlig in Ordnung." "Weil er weiß, dass er wiederkommt?" "Weil Verschwinden zu ihm gehört. Wie das Atmen zu uns." Lass uns einen Moment bei diesem Gedanken bleiben. Atme ein und stell dir vor, du nimmst Licht auf. Atme aus und lass Dunkelheit zu. Noch einmal. Ein für das Sichtbare, aus für das Verborgene. Wo in deinem Leben fühlst du dich gerade unsichtbar? Nicht verschwunden. Nur in einer anderen Phase. Der Mond kämpft nicht gegen seine Dunkelheit. Er vertraut seinem Zyklus. Was wäre, wenn du deinem vertrauen könntest? Atme diese Möglichkeit ein. Der Mond verschwindet nicht bei Neumond. Er ist nur nicht sichtbar. Der Mond verschwindet nicht bei Neumond. Er ist nur nicht sichtbar. Deine Dunkelheit ist auch nur eine Phase. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag, in deine Nacht, in deine nächste unsichtbare Zeit. Atme noch einmal tief ein und komm zurück. Öffne die Augen, wenn sie geschlossen waren. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.

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