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Tiefgang

Die Eiche und der Efeu

Manche Beziehungen nähren, andere ersticken. Efeu klammert sich an eine Eiche und nimmt ihr Licht und Luft. Von weitem sieht es schön aus. Aber langsam erwürgt er den Baum. Die Zigarette war dein Efeu – sie sah nach Freundschaft aus, war aber ein Parasit.

Die Eiche und der Efeu
Mach es dir bequem und lass dich nieder. Spüre, wie dein Körper zur Ruhe kommt. Atme einmal tief ein – und langsam wieder aus. Noch einmal – einatmen, ausatmen. Heute nehme ich dich mit in einen alten Wald, zu einer Eiche, die eine Geschichte zu erzählen hat. Eine Geschichte über das, was nährt, und das, was nimmt. Am Waldrand steht eine Eiche. Hunderte Jahre alt, mit einem Stamm so breit, dass drei Menschen ihn nicht umfassen könnten. Ihre Äste recken sich kraftvoll in den Himmel, ihre Wurzeln graben sich tief in die Erde. Und um ihren Stamm windet sich Efeu. Dichte, grüne Ranken, die spiralförmig nach oben klettern. Von weitem betrachtet sieht das schön aus. Romantisch sogar – wie die Eiche und der Efeu miteinander tanzen. Doch wenn du näher hinschaust, erkennst du etwas anderes. Der Efeu hat sich nicht nur um die Eiche gelegt. Er hat sich in ihre Rinde gegraben. Seine Haftorgane haben sich in jeden Spalt gedrückt. Jahr für Jahr ist er höher geklettert. Hat jeden Ast umschlungen, jedes Blatt überwachsen. Was einst Gesellschaft war, ist zu Gefangenschaft geworden. Die Eiche kämpft still. Ihre Blätter werden kleiner, ihre Äste dünner. Das Sonnenlicht, das sie zum Leben braucht, wird vom Efeu geschluckt. Die Luft, die ihre Rinde atmen will, wird abgeschnitten. Der Efeu gedeiht prächtig. Er ist satt und grün, während die Eiche langsam schwächer wird. Ein Förster kommt vorbei und sieht das Schauspiel. Er kennt diese Geschichte. Er weiß, dass der Efeu die Eiche nicht böswillig tötet. Er tut nur, was in seiner Natur liegt – er klettert, er wächst, er nimmt sich, was er braucht. Aber die Eiche stirbt trotzdem. Der Förster holt seine Schere. Schnitt für Schnitt löst er den Efeu von der Rinde. Die Ranken fallen zu Boden. Zum ersten Mal seit Jahren kann die Eiche wieder frei atmen. Das Sonnenlicht fällt wieder auf ihre Blätter. Die Luft umspielt ihre Rinde. Und langsam, ganz langsam, beginnt sie wieder zu wachsen. Atme einmal tief ein und spüre, wie die Luft deine Lungen füllt. Und beim Ausatmen lass los, was dich einengt. Vielleicht kennst du das Gefühl der Eiche. Beziehungen, die einst nährend waren, die sich aber langsam um dich geschlungen haben. Menschen, Gewohnheiten, Verpflichtungen, die dir das Licht nehmen. Frage dich: Was in meinem Leben ist Eiche, und was ist Efeu? Was gibt mir Kraft, und was nimmt sie mir? Atme mit diesem Gedanken. Manchmal ist Loslassen kein Verlust, sondern Befreiung. Nicht alles, was schön aussieht, ist gut für uns. Nicht alles, was sich an uns klammert, liebt uns wirklich. Manchmal müssen wir die Schere in die Hand nehmen und sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Manchmal müssen wir die Schere in die Hand nehmen und sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag – du darfst frei atmen. Atme noch einmal tief ein und kehre sanft zurück. Öffne deine Augen, wenn du magst. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.