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Tiefgang

Die Last, die wir tragen

Trägst du noch, was du längst hättest ablegen können? Ein Mönch trägt eine Frau über einen Fluss, obwohl Berührung verboten ist. Stunden später beschwert sich der andere Mönch. 'Ich habe sie am Fluss abgesetzt – du trägst sie noch immer.'

Die Last, die wir tragen
Nimm eine bequeme Position ein. Spüre, wie dein Körper sich niederlässt. Atme einmal tief ein und lass mit dem Ausatmen alles los, was du bis hierher getragen hast. Noch ein bewusster Atemzug. Gut. Heute möchte ich dir eine Geschichte erzählen von zwei Mönchen und einer Begegnung am Fluss. Es war ein heißer Nachmittag, als die beiden Mönche durch das staubige Land wanderten. Der ältere, Tenshin, ging mit ruhigen Schritten voran. Sein jüngerer Begleiter Jiro folgte, noch voller Fragen über die Regeln ihres Ordens. Sie kamen zu einem reißenden Fluss, der normalerweise nur ein schmaler Bach war. Doch die Regenfälle der letzten Tage hatten ihn anschwellen lassen. Am Ufer stand eine junge Frau in einem zerrissenen Kleid. Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie blickte hilflos auf das wilde Wasser. "Bitte", flehte sie, "ich muss zu meinem kranken Kind auf die andere Seite, aber ich kann nicht schwimmen." Jiro zögerte. Die Regeln ihres Klosters waren klar: kein Kontakt zu Frauen, keine Berührung. Doch Tenshin trat ohne zu zögern vor. "Steig auf meinen Rücken", sagte er sanft. Die Frau klammerte sich an ihn, und gemeinsam wateten sie durch die Strömung. Am anderen Ufer setzte Tenshin sie vorsichtig ab. "Danke", flüsterte sie und lief davon. Die beiden Mönche setzten schweigend ihren Weg fort. Eine Stunde verging. Zwei Stunden. Jiro wurde unruhiger mit jedem Schritt. Schließlich platzte es aus ihm heraus: "Meister, wie konntest du nur?" "Du hast eine Frau berührt!" "Du hast gegen unsere heiligsten Regeln verstoßen!" "Stunden sind vergangen, und ich kann nicht aufhören, daran zu denken!" Tenshin blieb stehen und lächelte mild. "Mein lieber Jiro", sagte er, "ich habe die Frau am Fluss abgesetzt." "Du aber trägst sie noch immer." Lass diese Worte einen Moment wirken. Atme ein und spüre: Was trägst du gerade mit dir? Welche Gedanken, welche Sorgen, welche alten Geschichten schleppst du von einem Tag in den nächsten? Atme aus und erlaube dir zu fragen: Muss ich das wirklich noch tragen? Manchmal sind wir wie Jiro. Wir nehmen etwas auf, das längst vorbei ist, und machen es zu unserem ständigen Begleiter. Ein Streit von gestern. Ein Fehler von letzter Woche. Ein Urteil, das jemand vor Monaten über uns gefällt hat. Wir tragen es und tragen es und tragen es. Während die andere Person längst weitergegangen ist. Atme bewusst ein und stell dir vor: Was könntest du heute am Fluss absetzen? Wahre Weisheit liegt nicht darin, nie zu fallen oder nie einen Fehler zu machen. Sie liegt darin zu wissen, wann wir loslassen dürfen. Tenshin trug die Frau, solange es nötig war. Dann setzte er sie ab. Dann setzte er sie ab. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag: Du musst nicht alles tragen, was dir einmal wichtig erschien. Atme noch einmal tief ein und lass mit dem Ausatmen etwas los, das du nicht mehr brauchst. Öffne sanft deine Augen. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.

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