Die Stille unter dem Eis
Unter der Oberfläche ist mehr Leben, als du siehst. Ein zugefrorener See wirkt leblos. Aber darunter schwimmen Fische, wächst Leben. Stille ist nicht Leere.
Nimm eine bequeme Position ein. Lass deine Schultern sinken. Atme einmal tief ein, und beim Ausatmen lass alles los, was du heute schon erlebt hast. Noch einmal: Einatmen, die Stille spüren. Ausatmen, ankommen. Heute nehme ich dich mit an einen zugefrorenen See. Eine Geschichte über das Leben, das wir nicht sehen.
Es ist einer dieser klaren Wintertage, an denen die Kälte in der Nase brennt. Marta steht am Ufer des kleinen Sees, den sie seit ihrer Kindheit kennt. Im Sommer war hier immer Leben: Kinder plantschten, Libellen tanzten über dem Wasser, Fische sprangen nach Mücken. Jetzt liegt eine dicke Eisschicht über allem. Völlig glatt, völlig still. Wie ein riesiger Spiegel, der den grauen Himmel zurückwirft. Marta tritt vorsichtig auf das Eis. Es knarrt leise unter ihren Füßen. Sie bleibt stehen, lauscht. Nichts. Nur Wind in den kahlen Ästen am Ufer. Tot wirkt dieser Ort. Verlassen. Da erinnert sie sich an etwas, was ihr Großvater einmal gesagt hat. Sie kniet sich hin und wischt mit dem Handschuh den dünnen Schneepulver weg. Das Eis wird klar wie Glas. Sie schaut hinein. Zuerst sieht sie nur ihr eigenes Gesicht, gespiegelt im Eis. Dann, als ihre Augen sich gewöhnen, entdeckt sie etwas Unfassbares. Da unten schwimmt ein Fisch. Langsam, ruhig, als wäre überhaupt nichts geschehen. Und noch einer. Ein ganzer kleiner Schwarm gleitet durch das dunkle Wasser unter dem Eis. Marta kann es kaum glauben. Sie rutsch auf den Knien weiter, sucht andere klare Stellen. Überall das gleiche Bild: Leben. Wasserpflanzen, die sich sanft im Strom wiegen. Ein Krebs, der über den Grund wandert. Sogar kleine Insektenlarven, die sich durchs Wasser bewegen. Die ganze Zeit hatte sie gedacht, der See wäre tot. Erstarrt. Aber er hatte nur seine Oberfläche geschlossen. Das Leben darunter ging einfach weiter. Leiser vielleicht. Langsamer. Aber es war da. Als Marta nach Hause geht, denkt sie an all die Momente in ihrem Leben, die ihr wie zugefrorene Seen vorkamen. Die stillen Phasen. Die Zeiten, in denen nichts zu passieren schien. Vielleicht war auch da mehr Leben, als sie sehen konnte.
Atme mit mir zusammen tief ein. Und langsam wieder aus. Stell dir vor, du stehst neben Marta an diesem See. Du blickst durch das klare Eis hinunter. Was siehst du dort, unter der Oberfläche deines eigenen Lebens? Welche stillen Kräfte arbeiten in dir, auch wenn an der Oberfläche nichts zu geschehen scheint? Atme in diese Stille hinein. Spüre, wie sie nicht leer ist, sondern voller verborgener Bewegung. Dein Herz schlägt. Dein Atem fließt. Gedanken kommen und gehen. Das ist das Leben unter dem Eis deiner Oberfläche. Manchmal ist die tiefste Aktivität die stillste.
Die Stille ist nicht das Gegenteil von Leben. Die Stille ist das Leben, das tiefer geht als die Oberfläche. Die Stille ist das Leben, das tiefer geht als die Oberfläche. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag. In die Momente, die dir leer oder tot vorkommen. Schau genauer hin. Das Leben ist da.
Atme noch einmal tief ein und lass deine Augen langsam aufgehen. Nimm die Stille mit, die du gerade gespürt hast. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.