Die Welle und das Ufer
Verlangen kommt und geht – wie Wellen, die sich am Strand brechen. Das Urge Surfing: Ein Craving ist wie eine Welle. Sie baut sich auf, erreicht ihren Höhepunkt, bricht sich – und zieht sich zurück. Du musst nicht gegen sie kämpfen. Du kannst sie reiten.
Mach es dir bequem und lass dich nieder. Spüre, wie dein Körper zur Ruhe kommt. Atme einmal tief ein. Und langsam wieder aus. Noch einmal. Heute nehme ich dich mit an einen Strand, wo das Wasser eine uralte Weisheit flüstert.
Es ist früher Morgen am Meer. Die Sonne steht noch tief, malt goldene Streifen auf das Wasser. Da sitzt eine alte Frau auf einem Stück Treibholz und beobachtet die Wellen. Neben ihr hockt ihr Enkel, ungeduldig und rastlos. "Oma, ich will das Handy haben", sagt er zum dritten Mal. "Ich brauche es jetzt." Die Großmutter zeigt auf eine Welle, die sich gerade aufbaut. "Schau", sagt sie. "Siehst du, wie sie wächst?" Die Welle wird höher, türmt sich auf, schäumt weiß an der Spitze. "Sie will so dringend ans Ufer", flüstert die Alte. "Hörst du, wie sie drängt und drängt?" Der Junge schaut hin. Tatsächlich – die Welle scheint zu rufen, zu fordern. Sie bäumt sich auf, als müsse sie unbedingt, sofort, jetzt das Land erreichen. "Und jetzt?", fragt die Großmutter. Die Welle bricht sich. Das Wasser rauscht über den Sand, verliert seine Kraft, wird still. Zieht sich zurück ins Meer. "Sie ist weg", staunt der Junge. "Einfach so." Die nächste Welle baut sich bereits auf. Wieder dieses Drängen, dieses Müssen. Wieder das Brechen, das Verebben. "Siehst du", sagt die Großmutter sanft, "jede Welle glaubt, sie sei die wichtigste. Jede will sofort ans Ufer. Aber keine bleibt." Sie legt dem Jungen die Hand auf die Schulter. "Dein Verlangen nach dem Handy ist wie eine Welle. Es kommt, wird größer, will dich überrollen. Aber es wird auch wieder gehen." Der Junge beobachtet noch eine Welle. Diesmal kämpft er nicht gegen das Gefühl an. Er lässt es einfach da sein. Tatsächlich – nach ein paar Minuten denkt er an etwas anderes. An die Möwe dort drüben. An den salzigen Wind. Das Handy? Plötzlich nicht mehr so wichtig.
Bring deine Aufmerksamkeit zu deinem eigenen Atem. Stell dir vor, jeder Atemzug ist wie eine Welle. Der Einatem baut sich auf. Erreicht seinen Höhepunkt. Der Ausatem bricht sich und fließt zurück. Vielleicht spürst du gerade selbst ein Verlangen. Nach etwas, das du haben möchtest. Nach einem Gefühl, das anders sein soll. Lass dieses Verlangen wie eine Welle sein. Es darf da sein. Du musst nicht dagegen ankämpfen. Aber du musst auch nicht mitgerissen werden. Atme und beobachte. Wie baut sich das Gefühl auf? Wie fühlt es sich im Körper an? Und wie zieht es sich wieder zurück? Du bist nicht die Welle. Du bist das Ufer – beständig, ruhig, da.
Jedes Verlangen ist eine Welle, die kommt und geht. Du musst nicht gegen die Welle kämpfen. Du musst nicht gegen die Welle kämpfen. Du kannst sie beobachten, wie sie sich aufbaut, bricht und wieder verschwindet. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag. Wenn das nächste starke Verlangen kommt – denk an das Meer.
Atme noch einmal tief ein und aus. Spüre deine Füße auf dem Boden. Öffne die Augen, wenn du magst. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.