Was im Dunkeln wächst
Aussprechen nimmt Dingen die Macht. Scham wächst im Dunkeln. Was würde passieren, wenn du es einmal laut sagst?
Mach es dir bequem und lass deine Schultern fallen. Atme einmal tief ein und aus. Noch einmal – ein langer Atemzug, der dich hier ankommen lässt. Heute nehme ich dich mit zu einem Moment, in dem jemand etwas ausspricht, was lange im Verborgenen gelebt hat.
Es ist Dienstagabend in einem kleinen Café in der Altstadt. Sarah sitzt ihrer besten Freundin gegenüber, die Hände um eine warme Tasse Tee gelegt. Seit zwanzig Minuten reden sie über das Wetter, die Arbeit, den neuen Film im Kino. Aber Sarah ist nicht wirklich da. In ihrem Kopf kreist seit Wochen ein Gedanke, ein Geheimnis, das schwerer wird mit jedem Tag. "Du bist so still heute", sagt ihre Freundin. "Ist alles okay?" Sarah öffnet den Mund, schließt ihn wieder. Das Geheimnis sitzt wie ein Stein in ihrer Brust. Es ist nicht dramatisch, nicht skandalös – nur etwas, wofür sie sich schämt. Ein Fehler bei der Arbeit, den niemand bemerkt hat. Eine Lüge, die sie ihrer Mutter erzählt hat. Eine Angst, die sie nicht zugeben will. Sie nimmt einen Schluck Tee und spürt, wie ihr Herz schneller schlägt. Dann sagt sie leise: "Ich muss dir etwas erzählen." Die Worte kommen zögerlich, dann schneller. Und während sie spricht, passiert etwas Seltsames. Der Stein in ihrer Brust wird leichter. Nicht weg – aber kleiner. Ihre Freundin hört zu, nickt, lächelt sogar an einer Stelle. "Dafür hast du dir wochenlang den Kopf zerbrochen?", fragt sie schließlich. Und Sarah merkt: Was in ihrem Kopf riesig geworden war, schrumpft auf normale Größe, sobald es im Licht steht.
Atme einmal bewusst in deinen Bauch. Gibt es etwas in deinem Leben, das im Dunkeln wächst? Etwas, worüber du nicht sprichst, was aber immer da ist? Lass diese Frage einfach da sein. Atme weiter und spüre, wie sich dein Brustkorb mit jedem Atemzug weitet. Was wir nicht aussprechen, behält Macht über uns. Es wächst in der Stille, wird größer als es ist. Aber das Licht der Sprache lässt Dinge schrumpfen auf ihre wahre Größe.
Worüber du nicht reden kannst, kontrolliert dich. Worüber du nicht reden kannst, kontrolliert dich. Das Aussprechen ist nicht immer die Lösung – aber es ist der erste Schritt zur Freiheit. Nimm diesen Gedanken mit in deinen Tag: Was würde passieren, wenn du es einmal laut sagst?
Atme noch einmal tief durch und kehre sanft zurück. Öffne die Augen, wenn sie geschlossen waren. Danke für diese gemeinsamen Minuten. Danke, dass du Calm Sessions genutzt hast.
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